Elektromobilität: So werden aus Elektroautos kleine Kraftwerke

Elektroautos können nicht nur das Stromnetz anzapfen, sondern es auch entlasten. Wie das funktioniert? Mit einer App und einer besonderen Ladesteuerung.

  • Elektroautos sollen in Zukunft das Stromnetz entlasen
  • mit neuartigen Batteriespeichern könnte das Stromnetz flexibler werden
  • nur wenig Energie geht bei der Übertragung verloren
Tesla Elektroauto

In Norwegen verkauft Tesla pro Jahr fünfmal mehr Autos als in Deutschland. (Bild: Alexis Georgeson/Tesla Press)

Wie ist das Stromnetz der Zukunft zu gestalten? Wie können Schwächen und Stärken der erneuerbaren Energien abgefedert werden? Diese Fragen gilt es schnell zu klären und Lösungen zu finden. Das Fraunhofer Institut will in Zusammenarbeit mit Lichtblick und Volkswagen herausfinden, welchen Beitrag die Elektromobilität leisten kann.

Strom aus dem Auto für das Stromnetz

Grundsätzlich ist die Elektromobilität eine wichtige Triebfeder der Energiewende. Doch klar ist auch: Wenn die elektrischen Flitzer mit Sonnenenergie oder Windkraft aufgeladen werden, belasten sie das Stromnetz. Und vor allem: Sie reagieren beim Laden nicht darauf, ob gerade viel oder wenig „grüner“ Strom erzeugt wird.

Das soll sich nun ändern: In einem Feldversuch wurden mehrere Elektroautos mit einer bidirektionalen Ladesteuerung ausgestattet. Das bedeutet: Statt nur Strom aufzunehmen, können die Batterien auch wieder Strom abgeben. Das Stromnetz der Zukunft könnte dadurch stabiler gestaltet werden.

Volkswagen

Volkswagen treibt die Energiewende mit neuen Technologien voran. (Bild: Volkswagen Media Services)

Doch wie funktioniert die neugewonnene Stabilität? Bei gutem Stromvoraussetzungen (viel Wind und Sonne) gibt es Energie im Überfluss. Jede freie Kilowattstunde wird zum Laden des Elektrofahrzeuges genutzt. Sobald jedoch die Sonne verschwindet und der Wind nachlässt, reduziert sich auch die verfügbare Menge Strom. Jetzt muss reagiert und mögliche Engpässe abgefedert werden.

Intelligentes System behindert Mobilität nicht

In diesem Moment springt die Batterie des Elektroautos ein. Diese entlädt sich langsam, um das Stromnetz mit sauberer Energie zu versorgen. Der fehlende Strom wird ins Netz eingespeist und an anderer Stelle weiterverwertet – ein selbstregulierendes System. Für den Besitzer des Autos wurden in dem Feldversuch Prämien ausgeschüttet, sobald das eigene Auto angezapft wurde.

Gleichzeitig fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Mobilität der Fahrer durch das Eingreifen in die Batterie nicht beeinträchtigt wurde. Die Fahrer konnten ihre täglichen Fahrten dennoch problemlos erledigen. Auch das ist Teil des intelligenten Systems. Durch eine smarte Steuerung wird nur so viel Strom entzogen, dass die regelmäßigen Fahrten unberührt bleiben

Elektroauto Laden

Eine Ladestation mit Ökostrom (Bild: Naturstrom AG Presse)

Geht bei der Übertragung Energie verloren?

Doch was ist mit der Energie, die ständig hin- und hergeschickt wird? Geht Strom auf dem Weg verloren? Laut Energieerhaltungssatz geht Energie in einem geschlossenen System nicht verloren. Sie kann zwar umgewandelt werden (z.B. thermodynamisch), doch sie bleibt immer bestehen. Im Falle des Elektrofahrzeugs ist es jedoch diffiziler. Es wird nie die gleiche Menge Energie abgezogen werden können, wie zuvor aufgenommen wurde. Allein bei der Erwärmung der Batterie geht Energie verloren.

Dennoch ist die neue Technik eine interessante Möglichkeit, um das Stromnetz zu Peakzeiten oder an regnerischen Tagen zu entlasten. Interessanter wird das neue Ökosystem, sobald Eigenheimbesitzer den dezentral erzeugten Strom in leistungsstarken Batterien speichern. Ist dies der Fall, könnte das Stromnetz auf die stärkeren Reserven zugreifen, ohne das Elektrofahrzeug anzufassen.


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