Vattenfall: Stromerzeuger verschmutzt Flusswasser und sucht nach Ausreden

Seit Jahren fließt Abwasser des Tagebaus Welzow in die Natur. Wie sich nun herausstellte, überschreitet das Wasser die Grenzwerte für Eisen. Vattenfall scheint das jedoch egal zu sein. Die Zerstörung der Natur wird einfach weggeredet.

  • Tagebau Welzow verschmutzt die naheliegende Umwelt
  • Abwasser nimmt der Umgebung den Sauerstoff
  • Vattenfall wird für Dreistigkeit belohnt
Braunkohle Tagebau

Eisenhaltiges Abwasser verschmutzt die Umwelt rund um den Tagebau Welzow. (Bild: Von Z thomas – Eigenes Werk, CC BY 3.0)

Der Tagebau in Welzow war in den letzten Wochen immer wieder für Skandale gut. Zuerst bauten Aktivisten ein Protestcamp auf, dann kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und der Polizei, bei denen Bahnanlagen zerstört wurden. Nun trübt erneut ein Skandal das Bild des Tagebaus – und der Betreiber Vattenfall spielt eine schwerwiegende Rolle.

Eisenhaltiges Abwasser nimmt den Sauerstoff

Aus dem Tagebau wird Wasser in kleine Bäche geleitet und verschmutzt diese. Statt klar dahin zufließen, verockern die Bäche – ihr Wasser wird braun. Grund für die Verschlechterung des Wassers, das final in die Spree fließt: Der Eisengehalt des Tagebau-Abwassers ist zu hoch und überschreitet die gesetzlichen Vorgaben.

Seit 2010 ist dieser Zustand bekannt, doch das zuständige Bergbauamt zeigte sich ob der Messwerte blind und hofierte Betreiber Vattenfall sogar noch. Statt auf eine Säuberung zu drängen, wurde einem Antrag stattgegeben, der die Messstation einen Kilometer Flussabwärts legte – und damit weit weg vom Punkt der Verschmutzung. Auch ein bisher unbekanntes Abwasserrohr wurde nachträglich legalisiert, obwohl es zuvor jahrelang verschmutztes Wasser in die Umwelt leitete.

Vattenfall: Kein Grund zur Sorge, das Bergbauamt hilft aus

Das Kuriose: Vattenfall ist sich der eigenen Dreistigkeit bewusst und argumentiert: „Mit der Verlegung der Probenahmestelle in Fließrichtung können die Gehalte somit deutlich gesenkt werden.“ Der Betreiber des Tagebaus Welzow macht keinen Hehl daraus, dass es an der eigenen Arbeit nichts ändern will und stattdessen einfach die Messungen „verwässert“.

Das ist ungefähr so, als wenn man den Abgaswert von einem VW Golf in 5 Meter Entfernung misst.“ – Axel Kruschat, BUND Brandenburg

Der BUND geht sogar noch weiter und sagt im Interview mit dem RBB, dass man „im Zuge der Haushaltskonsolidierung auch einfach die Messung einstellen“ kann. Doch was bedeuten die überhöhten Werte für die Umwelt? Das Eisen reagiert mit dem Sauerstoff im Wasser und entzieht diesen. Dadurch wird der Sauerstoffgehalt gesenkt und der Lebensraum „feindlicher“ für Fische und Pflanzen.

Kohlekraftwerk Boxberg

Keine Zeit für Ökostrom: Die Produktion mit Kohlekraftwerken läuft unvermindert. (Von ANKAWÜEigenes Werk, CC BY-SA 3.0)


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