Droht der Solarbranche ein Preissturz?

China produziert massenhaft Solarmodule – und wird sie nach Aussage von Analysten Ende des Jahres nicht mehr verkaufen können. Woran liegt das und welche Chancen ergeben sich für den deutschen Markt?

  • China produziert zu viele Solarmodule
  • Fehlende Förderung sorgt für Überangebot
  • Chile muss Ökostrom verschenken
  • Tiefstpreise bei Solaranlagen werden erwartet
Solarpark Granada

Der Solarpark Andasol wird die größte Solaranlage der Welt. (Bild:Von BSMPS – Eigenes Werk, GFDL)

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 wurden in China Solarmodule mit einer Leistung von 13 Gigawatt installiert – jährlich sollen es laut der chinesischen Regierung nur 20 Gigawatt sein. Der Grund für den rasanten Ausbau der Solarenergie liegt in der Beendigung eines Förderprogramms, das es in ähnlicher Weise auch in Deutschland gab. Das Ende der Solarförderung sorgte auch in der Bundesrepublik für einen Sonnenkraft-Boom.

80 Prozent: Solaranlagen auf Rekordtief

Am 30. Juni 2016 endet das Förderprogramm in China – doch die Hersteller von Solarmodulen produzieren auf höchster Leistung weiter. Experten der IHS Consulting vermuten, dass die Preise für Solaranlagen im Anschluss um bis zu 80 Prozent fallen könnten.

Das drohende Überangebot könnte zum Existenz-Problem für viele Hersteller werden; und gleichzeitig den Boom der Solarkraft weiter vorantreiben. Seit Jahren fallen die Preise für Sonnenenergie. Das geht sogar soweit, dass Solaranlagen in Indien günstiger sind als Strom aus Kohle. Gerade einmal 4,3 indische Rupien (0,57 Euro) kostet die Kilowattstunde.

Solaranlage Kalifornien

Das Überangebot an Solarmodulen sorgt für Niedrigpreise. (Bild: By Pacific Southwest Region from Sacramento, US – Solar Panels at Topaz Solar 5, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36895377)

Chile hat ein Sonnenproblem

Und auch in Chile lässt sich ein Preisverfall beobachten. Das südamerikanische Land baute den Sonnensektor so schnell aus, dass die Preise an der Strombörse auf Null fielen. Chile baute vor allem deshalb so viele Solaranlagen, um weitere Minen zu errichten und mit Strom zu versorgen.

Allerdings stagniert die Industrie in Chile, es wird schon lange nicht mehr so viel Kupfer benötigt. Und da (wie in Deutschland) Transport-Möglichkeiten für den sauberen Strom fehlen, werden einige Regionen mit Ökostrom geflutet. Das Ergebnis: Der Strom ist in solchem Maße vorhanden, dass er einfach verschenkt wird.

Gut für Bauherren, schlecht für Großunternehmen

Für deutsche Bauherren könnte das Überangebot an Solarmodulen zum Glücksfall werden. Wer auf Anlagen aus China setzt, kann ab dem Ende des dritten Quartals kräftig sparen und Solarmodule zum Tiefstpreis erwerben. Die Hersteller werden ihre Produktion nicht auf einen Schlag senken. Das senkt die Preise, da die Nachfrage nicht mehr vorhanden sein wird.

Mehr Infos gewünscht? Hier geht es zum Photovoltaik-Portal auf Ökostrom-Aktuell

Und auch für Betreiber von Solar-Kraftwerken wird das Überangebot und die sinkenden Preise zum Problem, wie Salvatore Bernabei (Geschäftsführer Enel Green Power) berichtet. Laut Aussage von Bernabei werden die Banken ihre Investitionen im Energiesektor verringern und neue Kraftwerke nicht im gleichen Maße unterstützen.


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