Abschaltung: Grenznahes Atomkraftwerk Fessenheim mit erneuter Störung

Das älteste und gleichzeitig grenznaheste Atomkraftwerk Frankreichs muss erneut einen ganzen Reaktorblock notabschalten. Die Anwohner im benachbarten Mühlheim auf deutscher Seite reagierten mit Besorgung auf den erneuten Störfall, der laut Kraftwerksbetreiber auf einen technischen Defekt zurückzuführen ist.

  • Störung im Atomkraftwerk Fessenheim sorgt für ausströmenden Rauch aus Reaktorblock
  • Deutsche im Grenzgebiet sind verängstigt und verunsichert
  • Fessenheim gehört zu den anfälligsten Reaktoren Frankreichs
Atommeiler Frankreich

Aus dem Atomkraftwerk Fessenheim strömte im Mai 2016 erneut unkontrollierter Rauch. (Bild: Von Florival fr – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Riesige Dampfwolken steigen ungehindert aus dem Atomkraftwerk Fessenheim Richtung Himmel. Es ist ein Anblick, an den sich die Anwohner mittlerweile gewöhnen mussten – der Atommeiler gehört zu den anfälligsten Kraftwerken Frankreichs. Fessenheim liegt in Frankreich, doch nur einen Kilometer entfernt wohnen bereits Bürger auf deutschem Bundesgebiet. Und diese sind besorgt, wenn schon wieder weißer Rauch aus einem Reaktorblock strömt.

Weißer Dampf weckt unangenehme Erinnerungen

Die aktuelle Störung wurde laut Kraftwerksbetreiber Electricité de France (EDF) durch einen Fehler in einem Schaltkreis, speziell im nuklearen Bereich des Kraftwerks ausgelöst. Durch die abrupte Notabschaltung von Block 1 des AKWs entstanden Wasserschwaden, die noch immer aus dem Reaktorblock strömen. Wie die EDF weiter mitteilte, ist der Rauch weder radioaktiv noch schädlich für Menschen oder die Umwelt. Für die Anwohner ist dies nur ein schwacher Trost, mussten sie sich in der Vergangenheit zu oft Sorgen um ihre Gesundheit machen.

Man weiß überhaupt nicht, wo der Fehler ist. Es kann eine relativ harmlose Geschichte sein, es kann aber auch eine hochgefährliche Geschichte sein. Es ist alles offen und das macht der Bevölkerung Angst. – Dora Pfeifer-Suger, Bündnis’90 / Grüne

Anti-Atom-Kampagne

Seit Jahren protestieren Aktivisten und Anwohner gegen das anfällige Atomkraftwerk. (Bild: Von Michael Schmalenstroer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Erst vor zwei Jahren ereignete sich eine Störung, die sich im Nachhinein als wesentlich schlimmer herausstellte: Als durch eine fehlerhafte Befüllung des Reservoirs mehrere Bereiche des AKWs Fessenheim mit Wasser geflutet wurden, wurde Technik zerstört, die zur Schnellabschaltung zum Einsatz kommt. Was von der EDF als kleiner Unfall heruntergespielt wurde, stellte sich in der Nachuntersuchung als nur knapp verhinderte Katastrophe heraus. Die eigentliche Kontrolle des Reaktors über Steuerstäbe funktionierte nicht mehr, die Brennstäbe wurden mit Bor geflutet. Es kam in der Folge zu einem unkontrollierten Temperaturverlust im Reaktor. Diese “Notborierung”, also das Aufhalten von Kettenreaktionen mittels Borsäure, ist ein in Europa einmaliger Fall.

Fakten zum AKW Fessenheim

  • Im Umkreis von 30 Kilometern um das Kraftwerk leben knapp eine Million Menschen
  • Seit 1990 gab es hunderte Störungen, die sich in den letzten Jahren massiv häuften
  • Die beiden Reaktoren erzeugen 1760 MW – zum Vergleich: Das stärkste Wasserkraftwerk von Greenpeace Energy erzeugt 187 MW
  • Aufgrund der Nähe zu Deutschland werden in Immendingen Jod-Tabletten für die Bevölkerung gelagert, falls es zu einem Reaktorunfall kommt

Im Jahr 2010 traten 50 m³ radioaktive Gase aus dem Kraftwerk aus. Die Betreiberfirma EDF meldete den Vorfall an die Atomaufsichtbehörde. Erst sechs Tage später wurde der Vorfall publik gemacht und die Öffentlichkeit über die ausströmende Radioaktivität informiert.
Einen Lichtblick gibt es jedoch für alle Anwohner und Aktivisten: Wie die französische Umweltministerin Segolene Royal mitteilte, wird die Abschaltung des anfälligen Kraftwerks Fessenheim für 2017 angepeilt.


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