Emissionshandel: So funktioniert der Tausch von Schadstoff-Zertifikaten

Angebot und Nachfrage. Nach diesem Prinzip funktioniert nicht nur die freie Marktwirtschaft, sondern seit 2005 auch der Handel mit Emissionszertifikaten. Mit dem System regulieren sich die großen CO2-Produzenten, um in Zukunft weniger Schadstoffe auszustoßen. Ökostrom-Aktuell erklärt, wie der Emissionshandel funktioniert.

Kohlekraftwerk Polen

Das Braunkohlekraftwerk in Belchatow kauft jährlich Millionen CO2-Zertifikate nach. (Bild:Von Morgre – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Seit wann gibt es den Emissionshandel?

Auf einen Blick
  • Emissionshandel soll den Ausstoß von Treibhausgasen regulieren
  • Laut Forschern sind zu viele CO2-Zertifikate im Umlauf
  • Kohlekraftwerke müssen enorm viele Emissions-Zertifikate nachkaufen

Das System des Emissionshandels in der EU wurde 2003 vom Europäischen Parlament beschlossen. Hintergrund war das Ziel, den Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen zu verringern. Insgesamt 31 Länder beteiligten sich an der wegweisenden Reform, die 2005 erstmals in Kraft trat. International wird der Emissionshandel als EU ETS bezeichnet, was für European Union Emissions Trading System steht.

Was soll der Emissionshandel bewirken?

Durch die Selbstregulierung der Unternehmen soll der Mut zur Modernisierung und Anerkennung der Energiewende gesteigert werden. Die ständige Senkung der Zertifikatsanzahl soll einen Anreiz schaffen, nicht auf teure Zertifikatskäufe zu setzen, sondern sich aktiv mit Konzepten zu beschäftigen, die den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. Bis ins Jahr 2020 will die Europäische Union 20 Prozent weniger CO2 ausstoßen, als es noch im Jahr 1990 der Fall war. Bereits heute liegt dieser Wert bei knapp 18 Prozent.

Flugzeug am Flughafen

Auch der Flugverkehr wird durch den Emissionshandel reguliert. (Bild:Von FGodard – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Der Emissionshandel funktioniert über die Deckelung der maximalen Menge an Treibhausgasen, die innerhalb der Europäischen Union ausgestoßen werden dürfen. Diese virtuelle Grenze darf von den insgesamt 11.000 Anlagen, die sich am Zertifikatshandel beteiligen, nicht überschritten werden. An die beteiligten Unternehmen werdenkostenlose Zertifikate ausgehändigt, die den eigenen Verbrauch abdecken sollen. Verringert sich der Verbrauch einer Anlage, kann diese einen Teil ihrer Zertifikate innerhalb der EU anbieten, um einem Unternehmen zu helfen, das selbst einen höheren Ausstoß verantwortet. So wird garantiert, dass die Emission von Treibhausgasen konstant bleibt. Über die schrittweise Absenkung der Zertifikatsmenge wird der Ausstoß verringert und die Modernisierung von Anlagen forciert.

Die Europäische Union senkt die Herausgabe von Treibhaus-Zertifikaten jährlich um 1,74 %. Die Anlagenbetreiber können sich somit langfristig darauf einstellen, ihren eigene Emissionsausstoß zu verringern.

Wer sind laut Zertifikathandel die größten Treibhaus-Verursacher?

Anhand der Zukäufe von Treibhaus-Zertifikaten lässt sich schnell überblicken, welche Unternehmen einen wesentlich höheren Ausstoß an Emissionen haben als geplant. Grundlage für das nachfolgende Ranking sind die Auswertungen aus dem Jahr 2010.

Auffällig ist, dass ausschließlich Kraftwerke Zertifikate nachkaufen müssen. Keine Hersteller oder andere Industriezweige sind in den Top 10 der größten Treibhaus-Verursacher vertreten. Einzig einzelne Stahlwerke gelten als ebenso schädlich. Besonders die Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke sind wahre Treibhaus-Schleudern und kaufen Zertifikate im großen Stil nach. Die meisten Zukäufe im Emissionshandel hat das Braunkohlekraftwerk Polska Gr. Energet zu verantworten – mit großem Abstand. Im Jahr 2010 kaufte das Kraftwerk Zertifikate im Wert von 4,09 Millionen Tonnen CO2. Die Anlage im polnischen Belchatow ist das größte Braunkohlekraftwerk der Welt und gleichzeitig Europas bedeutendstes Wärmekraftwerk.

Die größten Zertifikatskäufer im Jahr 2010

  1. Braunkohlekraftwerk Polska Gr. Energet (4,09 Mio. t)
  2. Kraftwerk E.on (3,5 Mio. t)
  3. Kohlekraftwerk Abono (3,29 Mio. t)
  4. Braunkohlekraftwerk A. Dimitrios (3,19 Mio. t)
  5. Stahlwerk U.S. Steel (1,96 Mio. t)
  6. Stahlwerk Salzgitter Flachstahl (1,51 Mio. t)
  7. Roheisenerzeugung Rogesa (1,46 Mio. t)
  8. Steinkohlekraftwerk RWE (1,45 Mio. t)
  9. Steinkohlekraftwerk CEZ (1,04 Mio. t)
Treibhausgase aus Schlot

Der Emissionshandel soll den Ausstoß von Treibhausgasen verringern. (Bild: By Daniels, Gene, photographer, Photographer (NARA record: 8463941) – U.S. National Archives and Records Administration, Public Domain,)

Wird der Flugverkehr auch in den Emissionshandel einbezogen?

Ja, seit 2012 ist das der Fall. Die EU entschied, dass jede Tonne CO2, die beim Überfliegen des Luftraums der Europäischen Union ausgestoßen wird, ebenfalls zu zertifizieren ist. Das betrifft sowohl den gewerblichen als auch den nicht-gewerblichen Luftverkehr. Am Emissionshandel im Luftverkehr nehmen insgesamt knapp 6000 Luftfahrzeugbetreiber teil, die in 150 Ländern beheimatet sind. Ein Anteil von 15 % der kostenlos zugeteilten Zertifikate landen im Versteigerungspool und werden somit von anderen Unternehmen abgekauft, um den eigenen Ausstoß zu legimitieren.

Welche Kritik gibt es am Emissionshandel?

Umweltpolitische Aktivisten und Ökonomen bemängeln, dass der Markt von zu vielen Zertifikaten überschwemmt wird. Laut Aussage des Öko-Instituts Freiburg sollten insgesamt 1,4 Milliarden Zertifikate, und damit weit mehr als die Hälfte, aus dem Verkehr gezogen werden, um einen echten Anreiz zur Energiewende herzustellen. Weiterhin wird bemängelt, dass die Preise für eine Tonne CO2, die mit einem Zertifikat legitimiert werden muss, historisch niedrig sind und somit keinen Anreiz für einen Energiewandel geben. Zu Beginn des Emissionshandels gab es außerdem kriminelle Aktivitäten, bei denen Zertifikate mehrmals weiterverkauft und die Steuer am Finanzamt vorbei geschmuggelt wurde.

Kraftwerk Kohle

Mit Modernisierungen stoßen auch Kohlekraftwerke weniger CO2 aus. (Bild: Von Possi88 – Eigenes Werk, CC BY 3.0)


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