Todesfalle für Vögel: Sind Windkraftanlagen wirklich so gefährlich für Tiere?

Windkraftanlagen erzeugen sauberen und regenerativen Strom. Doch in der Nähe der mächtigen Anlagen besteht eine erhöhte Gefahr für Vögel und Fledermäuse. Warum Vögel so häufig in Windkraftanlagen sterben und welche Gefahr für das Ökosystem besteht, klärt Ökostrom-Aktuell.

  • ca. 40.000 Vögel sterben im Jahr durch Windkraftanlagen
  • innere Organe können durch Nähe zu den Rotorblättern zerrissen werden
  • Fledermäuse sind besonders gefährdet
Windkraft Sonnenaufgang

Gerade bei ungünstigen Wetter- und Lichtverhältnissen werden Windkraftanlagen zu Todesfallen. (Bild: drop / Pixabay unter CC0 Public Domain)

Warum sterben Flugtiere in der Nähe von Windkraftanlagen?

Die meisten Vögel können den riesigen Anlagen inklusive Rotorblättern problemlos ausweichen. Sobald sich allerdings die Sicht verschlechtert, es regnerisch oder dunkel wird, fliegen Vögel häufiger in die Blätter der Windkraftanlagen. Angezogen vom Positionslicht der Ökostrom-Kraftwerke können sowohl auf offener See als auch an Land tote Vögel rund um die oft 150 Meter hohen Türme beobachtet werden.

Wie kommen die Vögel in der Nähe der Windkraftanlagen um?

Der offensichtlichste Todesgrund für Vögel ist der Zusammenstoß mit den Rotorblättern oder dem Mast der Windkraftanlagen. Die Flugtiere werden von den Positionslichtern angelockt und sterben bei der Kollision mit den tonnenschweren Rotorblättern. Allerdings ist das nur ein Teil der Todesarten. Auch ohne Zusammenprall ist die Nähe zum Windkraftwerk eine Gefahr für die Tiere. Aufgrund des Druckunterschieds durch die Rotation der Blätter werden die Vögel innerlich zerrissen (Barotrauma). Gerade die sensiblen Organe der Leichtgewichte überstehen den Vorbeiflug nicht und leiten den Tod ein.

Fledermaus USA

Fledermäuse werden besonders häufig von Windkraftanlagen getötet. (Bild: Von dizfunkshinal – DSCF2177, CC BY 2.0)

Sterben Vögel eher an Onshore- oder Offshoreanlagen?

Leider lässt sich darüber keine genaue Aussage treffen, da die Vögel auf dem Meer unkontrolliert ins Wasser stürzen und nicht mehr aufzufinden sind. Anders sieht das an Land aus: Laut NABU sterben ein bis zwei Vögel pro Jahr an einer Anlage. Bei rund 20.000 Windkraftanlagen in ganz Deutschland ist die Zahl schnell gefunden: Bis zu 40.000 Vögel trifft es jährlich, die direkt durch eine Windkraftanlage sterben. Allerdings muss hierbei gesagt werden, dass der Anteil einzelner Windräder wesentlich höher ist, während der Großteil überhaupt keine Rolle spielt. Der Ornithologe Hermann Hötker sagte gegenüber Focus Online, dass bei “80 bis 90 Prozent der Anlagen Vogelschlag so gut wie kein Problem” sei.

Was ist mit Leitungen?
Nicht nur die Stromerzeuger sind eine Gefahr für die Vögel, sondern auch die Leitungen. Experten des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländlicher Raum vermuten, dass pro Leitungskilometer etwa 500 Tiere im Jahr sterben. Um das zu verhindern plant man, die Leitungen auffälliger zu kennzeichnen und Systeme zu entwickeln, die die Vögel von der Gefahr wegbewegen.

Welche Flugtiere sind besonders gefährdet?

Ganz klar Fledermäuse. Die sensiblen Tiere können in der Nähe der Windparks ihr Echo nicht richtig nutzen, werden durch den Unterdruck verletzt und sterben häufig durch Kollisionen. Wie eine zweijährige Studie zeigte, sterben Fledermäuse etwa achtmal häufiger als Vögel. Das liegt auch daran, dass normale Kleinvögel steifere Luftröhren und Organe besitzen, die nicht so leicht zerplatzen.

Welche Ideen gibt es, um das Vogelsterben an Windkraftanlagen zu beenden?

Grundsätzlich muss jeder neue Windpark eine Umweltverträglichkeitsprüfung hinter sich bringen, die auch überprüft, ob das tierische Ökosystem in der Nähe zu Schaden kommt. Da dies jedoch nicht vollständig klären kann, ob bestimmte Tierarten gefährdet sind, müssen neue Lösungsansätze her. Mit dem “Bat Shield” wurde eine neue Methode entwickelt, die besonders den Schutz der Fledermäuse in den Fokus rückt – ohne auch nur einen Cent zu kosten. Das Bat Shield überwacht das Wetter im Umfeld der Windkraftanlagen. Erst bei Windgeschwindigkeiten von 5 m/s wird das Rotorblatt zur Drehung freigegeben. Da Fledermäuse bei solchen Geschwindigkeiten nur selten unterwegs sind, kann das Sterben aktiv verhindert werden.

Andere Lösungsansätze sehen vor, dass die permanente oder blinkende Beleuchtung der Windkraftanlagen nur eingeschaltet wird, wenn sich ein Schiff oder ein anderes Hindernis in einem bestimmten Radius befindet. Dadurch steuern die Vögel nicht fremdgesteuert auf das Licht zu und verenden an der Windkraftanlage. Ebenfalls wird diskutiert, ob man die Anlagen während der Zugzeit runterregelt bzw erst bei höheren Windgeschwindigkeiten anstellt.

Streit im BUND über Windkraft und Vogelsterben


Ein Kommentar zu “Todesfalle für Vögel: Sind Windkraftanlagen wirklich so gefährlich für Tiere?”

  1. Weiner sagt:

    Guten Tag,
    im Artikel „Todesfalle für Vögel: Sind Windkraftanlagen wirklich so gefährlich für Tiere?“ beschreiben Sie, dass neben Kollisionen auch Barotraumen an WEA eine große Gefahr für Vögel darstellen („Aufgrund des Druckunterschieds durch die Rotation der Blätter werden die Vögel innerlich zerrissen (Barotrauma). „). Können Sie mir wissenschaftliche Studien nennen, die baratraumen an Vögeln nachgewiesen haben? Leider sind mir solche bislang nur zu Fledermäusen bekannt, während ich in diesen Studien lediglich die (unbelegten) Aussagen finden konnte, dass Barotraumen bei Vögel nicht beobachtet werden. Für Verweise zu entsprechenden Studien an Vögeln wäre ich sehr dankdar. MfG Dr. C. Weiner

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